Wein aus Spanien

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Derzeit werden in ganz Spanien aus ca. 250 roten und weißen Rebsorten die unterschiedlichsten Qualitäten und Stile gekeltert. Traditionell ist Spanien eher bekannt als Rotweinland, ist allerdings mit 50 % Flächendeckung durch weiße Rebsorten, der unangefochten größte Weißweinproduzent der Welt.
Die wichtigsten Rotweinsorten: Tempranillo, Bobal, Garnacha (Grenache), Monastrell, Mencía, Mazuelo.
Die wichtigsten Weißweinsorten: Airén, Pardillo (Pardina), Macabeo (Viura), Palomino (Listan Blanco), Pedro Ximénez, Cayetana Blanca, Chelva, Parellada, Xarel-lo.

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Die Geschichte des Weinbaus in Spanien


... umfasst mittlerweile gute 6 Jahrtausende. Die Existenz von wildem Wein lässt sich aufgrund von Funden sogar bis gegen Ende des Tertiärs belegen. Das liegt immerhin etwa 2,6 Millionen Jahre zurück. In größerem Umfang wurde der Weinbau dort allerdings erst gegen 1100 v.Chr. durch die Phönizier vorangetrieben. Die Karthager führten diese Kultur fort und bauten sie aus.

Die Punischen Kriege (2. & 3. Jhdt. v.Chr.) veränderten die Machtverhältnisse im Mittelmeerraum zugunsten des Römischen Imperiums. Die Abhängigkeit von und Kontrolle durch Rom führten zu wachsender politischer Stabilität auf der Iberischen Halbinsel, was wiederum den Handel mit Rom nachhaltig förderte. Vielerorts in der italienischen Hauptstatt bei Ausgrabungen gefundene Amphoren belegen, dass dort in jener Zeit viel spanischer Wein konsumiert wurde. Am beliebtesten waren offenbar Weine aus Baetica (heute Andalusien) und Terraconensis (heute Tarragona). Spanischer Wein begleitete auch die römischen Legionen auf ihren Feldzügen durch Europa und gelangte so an die nordfranzösiche Atlantikküste und sogar bis nach England. Der spanische Weinbau kam mit dem Niedergang des Römischen Reiches und der darauf folgenden Invasion durch barbarische Völker zunächst zum Erliegen. Die Germanen verwüsteten die meisten der angelegten Rebflächen. Die später eintreffenden Westgoten führten, als zivilisiertere und dem Weinbau eine höhere Bedeutung zumessende Kultur, den Weinbau wieder verstärkt ein und fort.

Durch das Eintreffen der Araber im 8. Jahrhundert wurde der Weinbau vor neue Herausforderungen gestellt, da es den muslimischen Besatzern durch die Schriften des Koran verboten war fermentierten Frucht- und Getreidesaft zu trinken. Dennoch wurde der Weinbau weitergeführt und sogar, trotz und während der moslemischen Herrschaft, verbessert und weiter ausgebaut. Zum Einen gab es selbst für Muslime keinen Grund die frischen Früchte und ihren unfermentierten Saft nicht zu genießen oder deren Anbau gar zu verbieten, zum Anderen waren aber auch einige Herrschaftsdynastien gegenüber ihren christlichen Untertanen derart liberal, dass sie es nicht für nötig hielten diesen Nicht-Muslimen die Herstellung und den Genuss von Wein, insbesondere in christlichen Klöstern, zu untersagen.

Den stärksten Aufschwung erlebte der spanische Weinbau jedoch erst mit der Rückeroberung Spaniens durch die Katholischen Könige (Isabella I. von Kastilien (1451–1504) und Ferdinand II. von Aragón (1452–1516)). Eine große Rolle bei der Wiederherstellung der Weinkultur und -tradition ist den diversen religiösen Gemeinschaften und Klöstern zuzuschreiben, deren Mönche und Laienbrüder es waren, die diese Bewegung mit größter Mühe vorantrieben. Als zentrales Element für religiöse Riten war der Wein für sie von allergrößter Bedeutung, allerdings sollte er auch der Freude von reisenden und ansässigen Gläubigen dienen, und so wuchsen die Weinberge zunächst um die Klöster herum um sich alsbald wieder in weitere Gebiete auszudehnen.

In den folgenden Jahrhunderten avancierte der Wein zum essentiellen Bestanteil unserer Nahrung. Darüber hinaus wurde mit Wein viel und guter Handel getrieben, da er nicht allerorts von gleicher Qualität hergestellt werden konnte. Mit der industriellen Revolution erhielten neue, industrielle Techniken und Methoden Einzug in Anbau und Aufbereitung. Die Ankunft der Reblaus aus Amerika, Mitte des 19. Jhdt., stellte den Europäischen Weinbau auf eine harte Probe, die Spanien allerdings dabei half, den heimischen Weinbau zu konsolidieren. Einerseits brachten französische Winzer Ihre Reben, und damit eine neue Vielfalt an Sorten, in den Süden der Pyrenäen, um den eigenen Fortbestand zu sichern, andererseits fand man durch das "Pfropfen" eine Methode dem Treiben der Reblaus wirksam Einhalt zu gebieten und konnte damit größten Schaden abwenden. Auch brachten die Franzosen neue Maschinen und Methoden mit, die den spanischen Weinbau weiter evolutionierten.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam der spanische Weinbau erneut zum Stillstand. Zunächst war es der Bürgerkrieg, der den Weinanbau nahezu völlig stoppte, dann der 2. Weltkrieg, der den Weinmarkt in ganz Europa lahmlegte. Erst in den 50 Jahren erholte sich der Sektor von diesen katastrophalen Ereignissen. Seitdem wurde der Zweig von den spanischen Winzern mit Umschau und Bedacht geführt. Umstrukturierungen der Weinberge und zahlreiche Modernisierungen in den Herstellungsverfahren bestimmen seitdem ihr Handeln und haben spanische Weine sowohl auf heimischen als auch internationalen Märkten gleichermaßen beliebt wie konkurrenzfähig gemacht.

Zahlen und Daten


Mit etwa 1,02 Millionen ha Rebfläche besitzt Spanien weltweit die größte Gesamt-Anbaufläche für Wein. Ca. 150.000 Winzer bewirtschaften diese enorme Fläche in ungefähr 5.000 Weingütern, den sogenannten Bodegas. Das macht den Weinbau zu einem der bedeutsamsten Zweige der einheimischen Wirtschaft.

Wie andere Weinländer besitzt auch Spanien ein eigenes Qualitätssystem, das in großen Teilen denen anderer europäischer Länder entspricht, übersetzbar ist oder Anlehnung findet. Im Einzelnen wird unterschieden zwischen: Vino de Mesa, dem einfachsten Tafelwein, der weder eine Herkunfts-, Jahrgangs- noch Rebsortenangabe führen darf. Der Vino de la Tierra (VdlT) ist das spanische Gegenstück zu unserem Landwein oder dem französischen Vin de Pays. Dieser wird in derzeit 42 Regionen angebaut und darf sowohl eine Rebsorten- wie auch eine Jahrgangsangabe führen. 64 der ausgewiesenen Gebiete tragen die kontrollierte Herkunftsbezeichnung D.O. oder D.O.C. (Denominación de Origen oder Denominación de Origen Controlada). Eine Steigerung erfahren die Gebiete der Rioja und des Priorats, die sogar die Bezeichnung D.O.Ca (Denominación de Origen Calificada) tragen dürfen. Im Jahr 2003 wurde das spanische Weingesetz geändert. Die ehemals sehr starren Richtlinien wurden merklich gelockert, somit können seitdem Weine aus Einzellagen, die die formalen Anforderungen für ein D.O.-Prädikat nicht erfüllen, dennoch qualitativ diesen gleich- oder sogar überstellt werden. Diese Einzellagen nennen sich Vino de Pago und bilden die höchste Kategorie des Qualitätssystems in Spanien.

Ausbau-/ und Qualitätsbezeichnungen


Cosecha

Diese Weine besitzen nicht die nötige Fass- oder Flaschenreife um eine höhere Qualitätsbezeichnung tragen zu dürfen. Alternativ kann auch der Produzent des Weines diesen, trotz der nötigen Reife, herunterstufen.

Vino Joven

Übliche Bezeichnung für Weine ohne Fassausbau, allerdings ohne rechtliche Bindung.

Semi Crianza oder Crianza Corta

Diese Bezeichnungen stehen für Weine mit kurzer Fassreife, die die Auflagen für echte Crianzas nicht erfüllen, jene für Weine ohne Fassreife allerdings überschreiten und sich deshalb abgrenzen sollen. Auf dem Etikett werden diese Weine oftmals mit den Worten "Roble" oder "Barrica" kenntlich gemacht.

CVC

(Conjunto de Varias Cosechas) Eine kaum noch verwendete Bezeichnung für Weine bei denen mehrere Jahrgänge miteinander verschnitten werden.

Crianza

Diese Weine müssen mindestens 6 Monate Fassreife und 12 bis 18 Monate Flaschenreife, sowie ein Gesamtalter von mindestens 2 vollen Jahren aufweisen. In den Gebieten Rioja, Pénedes, Ribera del Duero und Navarra sind 12 Monate Fassreife vorgeschrieben. Weiße Crianzas müssen bei einem Mindestalter von 1 Jahr jeweils 6 Monate in Fass und Flasche gereift sein.

Reserva

Rote Reservas müssen mindestens 1 Jahr Fassausbau und 1 Jahr Flaschenreife besitzen; weiße Reservas müssen mindestens 6 Monate im Fass und 18 Monate in der Flasche gereift sein.

Gran Reserva

Rote Gran Reservas sind Weine mit mindestens 24 Monaten Fassreife und 36 Monaten Flaschenlagerung, weiße Gran Reservas benötigen mindestens 6 Monate Fassreife und 3,5 Jahre Flaschenlagerung.